Kulinarisch erster Teil

Nr. 12

 

 

Heil dem Erfinder
oder, wer ist das ?

 

Als Diplomat wäre Graf Grigorj Alexandrowitsch Stroganoff, der von 1816 bis 1821 russischer Gesandter in Rom war, längst vergessen. Doch sein bevorzugtes Gericht aus gebratenen Filetspitzen, Pilzen und Sahne - das berühmte Boeuf Stroganoff - hat ihn unvergesslich gemacht.

Ähnliches gilt für den österreichischen Staatsmann Ferdinand Graf von Trautmannsdorf, der mit seinem Dessert (Reis, Trautmannsdorf, mit Schlagsehne und Maraschino) in die kulinarische Hitliste gekommen ist. Auch der französische Marschall von Soubis verdankt seinen Ruhm wohl eher seiner Zwiebelsoße als seinen Leistungen als Feldherr.

Doch der geborene Schweizer, von dem hier die Rede ist (siehe Bild), hat nichts dergleichen hinterlassen, kein einziges Rezept, womit die Köche Sterne einfangen könnten. Er trüffelte nicht, flambierte nicht, er ließ in seiner Versuchsküche keine Soufflés aufgehen, keine Pasteten. Es gibt kein Rezept von ihm, das je in Kochbüchern aufgetaucht wäre. Doch ist sein Name in der Küche bekannter geworden als alle Stroganoffs und Trautmannsdorfs zusammen. Was er erfand, war nicht für den Tisch der Reichen bestimmt, sondern für die weniger begüterten Esser: ein nahrhaftes, schmackhaftes, billiges Lebensmittel.

Er war ursprüglich Müller von Beruf und betrieb zusammen mit seinem Bruder eine Mühle. Dort begann er mit selbstgebauten Maschinen sein Projekt zu verwirklichen. Er röstete, mahlte, preßte, mischte und würzte. Alle seine Produkte hatten am Ende einen typischen, besonderen Geschmack.

Eine "Medizin gegen Hunger" nannte ein Industriearzt die Produkte, die der Müller auf den Markt brachte. Beim Verbraucher waren sie auf Anhieb ein gigantischer Erfolg. Sie eroberten sich ganz schnell den ganzen Kontinent.
Der Erinder starb 1912 im Alter von 66 Jahren in Paris als reicher Mann.

Der hätte den Nobelpreis verdient gehabt, schrieb der Schriftsteller Arno Schmidt ein halbes Jahrhundet später über ihn: "Heil dem Erfinder, heil ihm..."

 

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Antwort wie immer an: loesung@rabbl.de